Blog zum Teacher Training 2007/08
::: Am Anfang sind die Namen
oder: Das große Kennenlernen
1., 3. und 4. November 2007
Tag 1 der YogalehrerInnen-Ausbildung bei yuna. Einfach: Wow!
Die ersten zehn von 200 Kursstunden beginnen für wohl alle in der Gruppe mit viel Aufregung, mit Neugierde auf das, was kommen mag. Heute treffen sie sich, jene 9 Menschen, die sich einer neuen Herausforderung stellen werden. Sie sitzen locker verteilt auf orangen, rosafarbenen und blauen Yogamatten in einem von Sonnenlicht durchfluteten Raum.
Die Gesichter – und nicht selten die Hinterköpfe – sind teils aus früheren gemeinsam besuchten Yogaeinheiten bekannt, die Personen einstweilen noch namenlos. Die richtige Namenszuordnung braucht ihre Zeit, aber bald ist klar, wer Gudrun, Sigrid, Christina, Patrizia, Karin, Alexandra, Silke, Ulli und Simone sind. In ihrem Leben außerhalb dieses Raums sind sie Krankenschwester, Juristin, Friseurin, Apothekerin, Lehrerin, Projektmanagerin, Masseurin oder Studentin – auf den Brettern von Yuna verbindet sie alle die Liebe zu Yoga, die Möglichkeit auf persönliche Entwicklung und die freudvolle Aussicht, eine Kostbarkeit wie Yoga anderen Menschen weitergeben zu können.

Von links oben nach rechts unten: Christina, Gudrun, Sigrid, Karin, Ulli, Alexandra, Silke, Simone und Patrizia.
Und noch zwei Menschen sind von Aufregung erfasst: Susanne und Tom. In den Wochen und Monaten vor Tag X haben sich die beiden intensiv mit der Vorbereitung der Ausbildung auseinandergesetzt – Inhalte wurden erarbeitet, hunderte Fotos von Asanas erstellt und Unterlagen gelayoutet. Die Vielzahl der detailliert und feinfühlig gestalteten Blätter füllen die für jede liebevoll mit dem Vornamen beschrifteten Schulungsmappen.

Jede Mappe trägt den Namen der Teilnehmerin und ist etwas ganz Persönliches.
Das Indische im Europäischen
Wir begegnen nach und nach an diesem Wochenende verschiedenen Yogaarten und –stilen und es dauert nicht lange, bis sich zu unserer Damenrunde Herren gesellen. Für europäische Stimmritzen und Gedächtniszellen wird es zu einem kleinen Auftrag, die Namen der großen Meister auszusprechen und im Kopf zu behalten. Nach mehrmaligem Hören rollen Krishnamacharya, Desikachar oder Iyengar jedoch weich über die Zunge.
Über den Sonnengruß und Mudras, den Fingerhaltungen, kommen wir zum umfangreichen Themenblock der Standhaltungen. Welche Wirkungen haben sie, wie werden durch diese Asanas die Chakras beeinflusst, wann sind sie nicht empfehlenswert und worauf gilt es beim Ausüben besonders zu achten. Dieses theoretische Fundament wird ergänzt um die Möglichkeiten zur Hilfestellung bei Übenden. Werden die Schultern hochgezogen oder rundet der Rücken helfen neben verbalen Anweisungen einfache Bewegungen mit den Händen, um die fehlerhafte Haltung zu korrigieren.

Susanne und Ulli beim Hands-On-Adjustment-Training
Kopf, Bauch, Schultern, Füße – oder doch einbahnartig von unten nach oben?
Gewusst wie geht es nun ans Üben: Man nehme eine Schülerin, die alle ihr erteilten Anweisungen, um in eine Körperhaltung zu kommen, folgsam ausführt. Weiters braucht es eine Trainerin, die die Asana detailliert beschreibt. Die Rollen werden beliebig verteilt und während des Ausprobierens immer wieder vertauscht. Und als Übungsbeispiel wählen wir Tadasana, die Berghaltung.
Nun reagiert unser Körper und unser Geist einigermaßen vertraut auf die Namen der Posen und nimmt sie mit selbstbewusster Vorkenntnis ein. Was aber wird alles an Aufträgen von unserem Gehirn versandt, bis die Haltung gelingt? Das alles gilt es nun nämlich auch zu formulieren, damit nicht der eigene Körper sondern der des Gegenübers reagiert und eine Haltung einnimmt. Der Beckenboden wird angespannt, die Schulterblätter nach hinten gezogen, die Füße drücken fest in den Boden, der Nacken ist langgestreckt, ach ja – das Brustbein hebt sich nach vorne und oben.
Während vor dem eigenen geistigen Auge dieses und jenes Wichtige auftaucht, ist die Schülerin damit beschäftigt, die Anweisungen der Trainerin auszuführen und abwechselnd Bauch, Füße, Nacken, Beine oder Schultern zu strecken, zu ziehen oder anzuspannen. Einem gelenkigen Bauchtanz nicht unähnlich. Und hier zeigt sich eindeutig: es braucht ein Konzept. Es braucht das Denken in einer Reihenfolge, um Ruhe und Klarheit in die Beschreibung zu bringen. Der Einfachheit halber beginnt man bei den Füßen und denkt sich beim Erklären über Beine, Becken, Bauch, Brustkorb, Schultern und Nacken schrittweise nach oben zum Kopf. So wird klar, Stehen ist ein komplizierter Vorgang. Das Stehen zu beschreiben umso mehr.
Der Kluge und der Knochige
Am Sonntag treffen wir erstmalig auf Gunther und Max. Ersterer ein Spezialist in Anatomie, Zweiterer ein Typ, der sich gerne etwas hängen lässt. Es beginnt eine Reise durch das Wunder Körper, von der Zelle zum Gewebe bis hin zum Organ. Gunther führt uns auf mitreißend lebendige Art durch die Geheimnisse des menschlichen Organismus. Er vermag dieses mit staubigem Latein durchspickte Thema mittels anschaulicher Beispiele im Gedächtnis zu verankern. Und wo Beschreibungen allein nicht reichen, springt Max ein, um uns zum Beispiel zu zeigen, dass beim Heben des Arms nur ein Teil der Bewegung aus dem Schultergelenk kommt, für den restlichen Weg wird der Schultergürtel aktiv, es arbeiten Schlüsselbein und Schulterblatt.

Gunther und Max
Und zwischendurch in der Pause
Die während des Kurses besprochenen Fingerhaltungen bringen uns beim Plaudern in der Pause zum Thema Meditationen. Einige von uns haben bereits Erfahrungen mit Meditation gesammelt, darunter auch mit Vipassana. Vipassana bedeutet „die Dinge so zu sehen, wie sie sind“. Bei dieser Meditationstechnik werden Daseinsphänomene aufmerksam beobachtet. Beginnt etwa der Fuß während des langen Sitzens zu schmerzen oder einzuschlafen, wird die Aufmerksamkeit in dieses Jetzt gelenkt. Kurse, die in die Technik einführen, dauern 10 Tage und sind begleitet von Schweigen, einer bewussten Ernährung und viel Meditationspraxis.
Zum Nachlesen: Die Kunst des Lebens. Vipassana-Meditation nach S.N. Goenka; William Hart.

Leo ist mit seinen 11 Monaten mindestens so gelenkig wie seine Mama.

Für mich persönlich ist dieses Wochenende ein Geschenk. Ich fühle mich von Menschen aufgenommen, die ein Gefühl mit mir teilen – die Freude an Yoga. Und ein Gedanke, der am Anfang des Kurses ausgesprochen wurde, begleitet mich: Wir sind privilegiert, Yoga zu machen. Wir machen uns keine finanziellen Sorgen, sind gesund, unser Kopf ist frei, um uns dem Yoga zu widmen. Ich bin dankbar dafür.
Namasté

