Blog zum Teacher Training 2007/08
::: Ma, Mo, Mu
oder: A, Sa, Na
17. und 18. November 2007
Übung macht den Meister
Mag sein, dass in den vergangenen vierzehn Tagen zu Hause fleißig mit Partnern, Freunden, Nachbarn, Cousinen oder Neffen geübt wurde - jedenfalls klappt das Geben von Anweisungen beim neuerlichen Durchgang bereits um einiges routinierter und lockerer. Wir arbeiten uns Schritt für Schritt durch den umfangreichen Block der Standasanas. Systematisch wird zu jeder einzelnen Haltung erfasst, wie sie richtig ausgeführt bzw. wo sinnvoll ein Hands-On-Adjustment gegeben wird. Kurz vor der Mittagspause praktizieren wir noch eine längere Yoga-Einheit, in der sich zwischen viele bereits bekannte Standhaltungen auch einige Neulinge reihen.


Für das Finden der richtigen Anweisungen ist Konzentration erforderlich - besonders bei den unvertrauten Asanas.
Der Silbenwald mit A
Und da es nun doch eine spätere Mittagszeit ist und die Zuckerspeicher nicht zuletzt durch die Bewegung entleert sind, bleiben Bezeichnungen wie "Utthita Hasta Padangusthasana" oder "Urdhva Prasarita Ekapadasana" erstmal nicht im Gedächtnis. Ich kann mich erinnern, wie ich Susanne gegenüber vor Jahren erwähnt habe, dass ich anfange, die Sanskritnamen der Körperhaltungen zu lernen, weil sie in meinen Ohren so wohlig klingen. Diese Wahrnehmung ist bis heute geblieben. Und noch etwas ist bis heute erhalten: ich vergesse nach wie vor gerne die eine oder andere Silbe in diesen oftmals sechs- und mehrgliedrigen Silbenketten oder lasse an mancher Stelle ein "H" verschwinden und füge es an einem nicht bestimmungsgemäßen Platz wieder ein.
Entspannt geht es weiter
Ans Mittagessen schließt eine Entspannung, durch die in den kommenden Wochen abwechselnd jemand von uns führen darf. Susanne liegt ausnahmsweise auch auf der Matte, Karin ist die erste, die durch Yoga Nidra führt, wofür sie viel Lob und Zustimmung erhält.
Die Stimme namens Monika
Der Sonntag gehört diesmal Monika, unserer Stimmtrainerin. Während draußen der Schnee die Landschaft bedeckt und nach und nach alle Geräusche verschluckt, ist herinnen Stummheit tabu: Wir spielen lautstark mit Silben. Zum Beispiel verweben wir Ma, Mo und Mu zu einem Klangteppich, indem wir am Boden liegend die Wortstücke tief in unserem Bauch entstehen und anschließend kräftig unserer Kehle entsteigen lassen. Alles passiert gleichzeitig und durcheinander, ist an einer Stelle ein Ma schon im Ausklingen, entsteht am anderen Ende des Raums ein Neues. Oder wir stellen uns vor, unser Oberkörper ist durchlässig und die Silben fallen in unseren Bauchraum, wodurch wir ihnen Aus- und Nachdruck verleihen können. Und anstelle der Bewegung des ganzen Körpers tritt heute die Zungengymnastik. Langsam nährt sich auf diese Weise die Aufmerksamkeit gegenüber unserer Stimme und deren Möglichkeiten.

Das Zwiegespräch - von links: "Pö", von rechts: "Tö".

Und noch ein Satz zum Üben: "Ich als französischsprachige Pressesprecherin".
Und zwischendurch in der Pause
Besonders der lange Samstag ist durchwoben von Pausen, in denen alles Mögliche gegessen wird: vom gekochten Getreidefrühstück bis zur Gemüsesuppe, über Schokokekse und Müsliriegel hin zu getrocknetem Ingwer, ebenso wie Joghurts, Äpfel oder Bananen. Der Speiseplan ist bunt schillernd. Das Gespräch kommt auf die ayurvedische Küche mit ihren springenden Gewürzen. Springende Gewürze? Führte die Entstehung von Yoga und dessen Verbreitung unter indischen Köchinnen und Köchen etwa zur Entwicklung einer sportlichen Gabe bei Pflanzen?
Die Erklärung ist kurz gefasst: die Gewürze kriegen heiße Füße und beginnen zu springen. Beachtet man die richtige Zubereitungsreihenfolge, wird erst Ghee - geklärte Butter - erhitzt, um dann Gewürzsamen wie Kreuzkümmel darin zu rösten. Wird es denen zu heiß, beginnen sie zu springen was zugleich der richtige Zeitpunkt für die Beimengung der gemahlenen Gewürze ist. Nach Entfaltung der Aromen aus den gelben, roten oder braunen Pülverchen werden die restlichen Zutaten ergänzt und das Gericht kann fertig köcheln.
Zum Nachlesen: Gesund genießen mit Ayurveda. Die alte indische Ernährungslehre in der europäischen Vollwertküche; Birgit Heyn.
Der Respekt
Zwischen erstem und zweitem Ausbildungswochenende ist es mir persönlich gelungen, eine lehrreiche Erfahrung in Sachen Achtsamkeit zu machen. Dazu brauchte es dreierlei: einen vollen Einkaufswagen, eine Getränkekiste, die keinesfalls mehr im beladenen Wagerl Platz findet und – dank eines wachsamen inneren Schweinehunds – eine unüberlegte Devise: Alles auf einmal (könnte doch glatt Zeit- und Energieverschwendung sein, zweimal mit den Einkäufen zum Auto zu gehen). Das Resultat von "linke-Hand-schiebt-Wägelchen-und-rechte-Hand-trägt-volle-Kiste" war eine mächtig beleidigte Wirbelsäule auf Höhe des vierten und fünften Lendenwirbels und die Unfähigkeit, etwas zu Heben, geschweige denn, den Oberkörper zu Drehen oder zu Beugen. Ich bin sehr froh, dass diese Fähigkeiten zurückgekehrt sind und möchte ein Zitat vom Umschlagblatt unserer Ausbildungsunterlagen noch ergänzen. Dort heißt es: "Mögen wir uns gegenseitig respektieren und schützen." Dieser Respekt und dieser Schutz sind auch etwas von mir für mich. Und für jede einzelne und jeden einzelnen von uns uns selbst gegenüber.
Namasté

