Savasana
Eine oft unterschätzte Yogahaltung und eine der wichtigsten überhaupt.
Diese Haltung ist einfach aber nicht leicht. Flimmernde Fernseher, Computerbildschirme und Neonröhren, Multi-Tasking - all das und vieles, vieles mehr überflutet uns und unsere Sinne. Die Stichworte unseres Alltags sind: leisten, weiterkommen, schneller sein, besser sein, durchhalten, aushalten, ...
Welche Asana könnten wir also am Dringensten brauchen? Welche, wenn nicht Savasana?
'Sava' heißt Leichnam. Wir liegen völlig regungslos am Rücken - daher der Name. Da wir uns immer bewegen - ja sogar im Schlaf - fällt diese einfache Haltung oft besonders schwer. Völlige Regungslosigkeit ist eine Herausforderung und bedarf einiger Übung und Geduld. Doch durch regelmäßiges Üben schaffen wir es, alle unnötigen Spannungen in jedem Teil unseres Körpers wahrzunehmen und aufzulösen. Savasana hilft uns, den Unterschied zwischen An- und Entspannung wieder wahrzunehmen. Dieses erhöhte Körperbewusstsein hilft uns auch im Alltag, unnötige Spannungen in z.B. den Schultern wahrzunehmen und zu lösen, sodass sich Verspannungen gar nicht erst aufbauen können.
Doch wenn die körperliche Entspannung alles wäre, wo bleibt dann savASANA? Die Geisteshaltung? Dass wir uns nicht einfach hinlegen und unseren Tagträumen nachhängen ist relativ nahe liegend, oder? Natürlich soll auch der Geist zur Ruhe kommen.
Wenn wir in Savasana die Augen schließen und unsere Aufmerksamkeit nach innen wenden, wird uns bewusst, wie bewegt der Geist ist. Alles kommt uns in den Sinn: Gedanken, Gefühle, Erinnerungen - ausgerechnet jetzt wenn der Geist doch ruhen sollte!
Dieses Gewirr an Gedanken kommt nicht erst in dieser Haltung. Es ist den ganzen Tag da, doch wir sind von äußeren Reizen, von unseren Handlungen so abgelenkt, dass wir sie nicht so deutlich wahrnehmen. Da liegen wir nun und erkennen bestürzt wie unser Verstand uns antreibt und dominiert. Von 'citta-vrtti-nirodhah' * weit und breit keine Spur!
Savasana erfordert wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit als jede andere Asana. Doch wie alles im Yoga ist auch diese tiefe Entspannung lernbar. Mit Geduld, Sanftheit und ohne etwas erzwingen zu wollen. Außerdem profitieren wir nicht erst von dieser Haltung, wenn wir in vollkommene Tiefenentspannung gleiten können!
Wovon genau wir profitieren? Savasana ist eine sehr wirksame Form der Stressbewältigung: Der Parasympatikus wird aktiviert und Stresshormone werden abgebaut. Außerdem wird das Immunsystem angeregt, Bluthochdruck, Magenproblemen, Kopfschmerzen und Verdauungskrankheiten wird vorgebeugt. Savasana vertreibt Müdigkeit und führt zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Diese Haltung ist nicht nur nach einer Yoga-Einheit unerlässlich, sondern kann auch für sich geübt werden. Nach einem langen, anstrengenden Tag, bei Schlafproblemen oder bei Nervosität.
Savasana für sich ist eine einfache aber kraftvolle Meditation und nach einer Yogaeinheit sorgt sie für Entspannung, Erholung und Erneuerung.
Und wie immer beim Yoga: nicht bei der Theorie hängen bleiben: die Matte ausrollen und üben!
* 'yogas citta-vrtti-nirodhah': Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen. (Patanjali, Yoga Sutra I,2)

